Kleiner Wärmeverbund will mit kühlem Wasser heizen

Die Eigentümer von 15 Wohnbauten im Inneren Lind prüfen einen eigenen Wärmeverbund. Das Besondere: Sie wollen die Gebäude ganzjährig mit 14 Grad kühlem Grundwasser heizen.

Das Innere Lind hat ein Wärmeproblem: Fossile Heizungen sind bei Umbauten nicht mehr erlaubt, ein Fernwärmenetz kommt dagegen für den grösseren Teil des Quartiers laut Angaben der Stadt nicht in Frage. Erdwärmesonden wiederum sind südlich der Bahnlinie aus wegen des Trinkwasserschutzes nicht erlaubt.

Eine Gruppe von Eigentümern prüft daher gemäss einer anonymisiert zugänglichen Studie eine innovative Alternative: die Nutzung von kühlem Grundwasser. Möglich wird das, weil das AWEL für grössere Anlagen die Nutzung des Grundwassers mit einer minimalen Entzugsleistung von 150 Kilowatt erlaubt. Und mehrere kleine Gebäude addieren sich zu einer grösseren Anlage.

Das Grundprinzip entspricht dem des umgekehrten Kühlschranks: Dem 14 Grad kühlen Grundwasser wird Wärme entzogen, bis seine Temperatur auf 11 Grad sinkt. Aus einer Grundwassermenge von 1000 Litern in der Minute kann auf diese eine Wärmeleistung von 309 Kilowatt erzielt werden. Das Grundwasser versickert danach wieder im Boden.

Der Vorteil des Verfahrens: Die Leitungen müssen nicht besonders isoliert werden, weil der Wärmeverlust gering ist. Zudem sind die Wärmepumpen selbst klein und werden in den Gebäuden selbst installiert, anders als etwa bei Aussenluft-Wärmepumpen.

Der Nachteil: Die Anfangsinvestitionen sind mit zwischen rund 67‘000 und 90‘000 Franken pro Gebäude relativ hoch. Allerdings fallen anschliessend vor allem noch die Stromkosten an – das Grundwasser selbst ist gratis, anders als das bisher mehrheitlich genutzte Erdgas.

Ein solcher Wärmeverbund dürfte allerdings keine Blaupause für das gesamte Quartier sein: Es braucht genügend Gebäude innerhalb eines Strassengevierts samt dem Platz, auf dem das Grundwasser wieder versickern kann. Aber ein solcher Wärmeverbund wäre eine Möglichkeit mehr, auch im Inneren Lind erneuerbar zu heizen.

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